Die wichtigste Unterscheidung: Wenn die Google Search Console bei einer Sitemap beispielsweise 26 „entdeckte Seiten“ meldet, bedeutet das nicht, dass genau 26 Seiten indexiert sind. „Entdeckt“ beschreibt zunächst URLs, die Google aus der Sitemap ausgelesen hat.
Nach einem WordPress-Relaunch schaut man verständlicherweise schnell in die Google Search Console. Dort kann die Sitemap zunächst deutlich weniger URLs anzeigen als erwartet. Das wirkt beunruhigend, ist aber nicht automatisch ein Indexierungsproblem.
Was bedeutet „entdeckte Seiten“ bei einer Sitemap?
Google beschreibt „Discovered pages“ im Sitemap-Bericht als die Anzahl der Seiten-URLs, die aus der eingereichten Sitemap beziehungsweise ihren untergeordneten Sitemaps gelesen wurden. Doppelte URLs werden dabei nur einmal gezählt.
Ganz wichtig: Google sagt ausdrücklich, dass eine in einer Sitemap entdeckte URL nicht automatisch gecrawlt oder indexiert sein muss.
Entdeckt ≠ gecrawlt ≠ indexiert. Diese drei Zustände sollte man bei der Bewertung eines Relaunchs strikt auseinanderhalten.
Warum kann die Zahl nach einem Relaunch zunächst klein sein?
Eine häufige Ursache ist schlicht die Struktur der Sitemap. Bei Yoast oder anderen SEO-Systemen gibt es oft einen Sitemap-Index mit mehreren Unter-Sitemaps, etwa für Seiten, Beiträge, Kategorien oder andere Inhaltstypen. Die Search Console verarbeitet diese Dateien nicht immer in derselben Sekunde.
Außerdem kann sich nach einem Relaunch die Zahl der bewusst veröffentlichten und kanonischen URLs von der alten Website unterscheiden: alte Dubletten wurden zusammengeführt, Weiterleitungen eingerichtet, Entwürfe entfernt oder Archive ausgeschlossen. Eine niedrigere Zahl ist deshalb nicht automatisch schlecht.
Zuerst die Sitemap selbst prüfen
Wenn die Zahl auffällig klein ist, öffne ich zuerst die Sitemap beziehungsweise den Sitemap-Index direkt im Browser. Dort lässt sich prüfen, welche Unter-Sitemaps vorhanden sind und ob die erwarteten URLs tatsächlich ausgegeben werden.
Fehlen URLs bereits in der Sitemap, liegt das Problem nicht bei Google. Dann sollte man in WordPress prüfen, ob Seiten veröffentlicht sind, ob ein SEO-Plugin sie ausgeschlossen hat oder ob ein noindex beziehungsweise eine andere Einstellung greift.
Danach den Indexierungsbericht verwenden
Für die Frage „Wie viele dieser URLs sind wirklich indexiert?“ ist nicht die Zahl „entdeckte Seiten“ im Sitemap-Bericht entscheidend. Google empfiehlt, den Seitenindexierungsbericht nach der betreffenden Sitemap zu filtern. Dort lässt sich besser unterscheiden, welche URLs indexiert sind und welche aus bestimmten Gründen nicht.
Einzelne wichtige URL mit der URL-Prüfung kontrollieren
Bei wichtigen Seiten lohnt sich die URL-Prüfung. Sie zeigt, ob Google die Seite kennt, ob Crawling möglich ist und welche kanonische URL verwendet wird. Für eine einzelne neue oder stark geänderte Seite kann dort bei Bedarf auch eine Indexierung beantragt werden.
Mehr dazu steht in meinem Beitrag Google anpingen 2026: Neue WordPress-Seiten schneller entdecken lassen.
Nach einem Relaunch braucht Google Zeit
Bei einem Site-Move muss Google alte und neue URLs erneut besuchen, Redirects verarbeiten und Signale übertragen. Google weist darauf hin, dass dieser Prozess bei kleinen und mittleren Websites einige Wochen dauern kann. Die Geschwindigkeit hängt unter anderem von der Zahl der URLs und der Serverleistung ab.
Ein Relaunch ist deshalb keine Situation, in der man bei jeder kleinen täglichen Schwankung die technische Konfiguration ändern sollte. Sinnvoller ist eine feste Kontrolle in Intervallen.
Was ich nach einem Relaunch konkret kontrolliere
Sitemap: Sind alle gewünschten kanonischen URLs enthalten?
Weiterleitungen: Führen alte URLs direkt auf die passenden neuen Ziele?
HTTP-Status: Antworten neue Seiten mit 200 und entfernte Seiten sinnvoll mit Redirect oder 404?
Canonical: Zeigt jede neue Seite auf ihre eigene gewünschte URL?
noindex/robots: Wurde keine Staging-Sperre versehentlich übernommen?
Indexierungsbericht: Welche Gründe nennt Google für nicht indexierte Seiten?
URL-Prüfung: Stimmen wichtige Einzelseiten?
Wann eine kleine Zahl tatsächlich ein Warnsignal ist
Handlungsbedarf besteht, wenn erwartete URLs dauerhaft nicht in der Sitemap auftauchen, Google die Sitemap nicht abrufen kann, viele neue URLs auf noindex stehen, Canonicals auf eine Testdomain zeigen oder Redirects ins Leere beziehungsweise in Schleifen führen.
Für Sitemap-Abrufprobleme gibt es hier eine separate Anleitung: Google Search Console: „Sitemap konnte nicht abgerufen werden“ trotz gültiger Sitemap. Den vollständigen Relaunch-Ablauf habe ich außerdem in WordPress-Relaunch ohne SEO-Verlust: Redirects, Sitemap und Search Console richtig umstellen zusammengefasst.
Fazit
Eine kleine Zahl bei „entdeckte Seiten“ direkt nach einem Relaunch ist allein noch kein SEO-Alarm. Entscheidend ist, ob die Sitemap vollständig ist, die neuen URLs technisch sauber erreichbar sind und wie sich der Seitenindexierungsbericht über die folgenden Tage und Wochen entwickelt.
Offizielle Google-Quellen
Google Search Console: Sitemaps-Bericht
Google Search Console: wichtige Aufgaben und Indexierung beantragen
Google Search Central: Site-Move mit URL-Änderungen