Synology NAS langsam: Welcher Prozess belastet das System?

Wenn ein Synology NAS plötzlich langsam reagiert, sollte man nicht als Erstes Dienste beenden oder das Gerät neu starten. Im ursprünglichen Gemini-Chat lautete die zentrale Frage: Wie kann ich auf einem Synology-Server sehen, welcher Prozess das System lahmlegt? Genau dafür bringt DSM bereits die passenden Werkzeuge mit.

Die wichtigste Regel lautet: Zuerst beobachten, dann eingreifen. Hohe Last kann völlig normal sein, zum Beispiel während einer Indizierung, eines Backups oder einer Synchronisierung. Sie kann aber auch auf zu wenig RAM, hohe I/O-Wartezeiten oder einen festhängenden Prozess hindeuten.

1. Ressourcen-Monitor öffnen

Öffne in DSM das Hauptmenü → Ressourcen-Monitor. Synology beschreibt den Ressourcen-Monitor als zentrale Stelle zur Überwachung von CPU, Arbeitsspeicher, Datenträgern und Netzwerkdurchsatz.

Für die erste Diagnose interessieren vor allem:

  • CPU
  • Arbeitsspeicher
  • Volume-/Datenträgerauslastung
  • Netzwerk
  • Aufgaben-Manager beziehungsweise Prozesse/Dienste

2. Nicht nur auf „CPU 100 %“ schauen

Eine hohe CPU-Anzeige sagt noch nicht, warum das NAS langsam ist. Synology trennt die CPU-Auslastung unter anderem in Benutzer, System und I/O Warten.

Gerade I/O-Warten ist wichtig: Die CPU wartet dann auf Datenträger- oder Netzwerkoperationen. Das System kann sich sehr träge anfühlen, obwohl die CPU selbst nicht vollständig mit Rechenarbeit ausgelastet ist.

3. Aufgaben-Manager nach CPU sortieren

Im Ressourcen-Monitor kannst du im Aufgaben-Manager beziehungsweise in der Prozessansicht sehen, welcher Dienst oder Prozess CPU und Speicher verbraucht. Synology zeigt diese Werte direkt an und sortiert Prozesse nach CPU-Last.

Wenn du dort einen auffälligen Prozess findest, notiere zuerst:

  • Prozess- oder Dienstname
  • CPU-Auslastung
  • Speicherverbrauch
  • Lese-/Schreibaktivität
  • wie lange die hohe Last bereits besteht

Danach kannst du entscheiden, ob die Aktivität normal oder verdächtig ist.

4. Typische legitime Lastverursacher

Synology nennt selbst mehrere Aufgaben, die hohe Volume-Auslastung verursachen können. Dazu gehören unter anderem:

  • Dateiindizierung durch Universal Search
  • Medienindizierung und Vorschaubilder
  • Antivirus-Scans
  • Hyper Backup oder Wiederherstellungen
  • Cloud Sync
  • Synology Drive Server
  • große Kopier-, Verschiebe- oder Löschvorgänge
  • Surveillance Station
  • Speicher-Analyse

Wenn genau eine solche Aufgabe läuft und die hohe Last anschließend wieder verschwindet, liegt möglicherweise gar kein Fehler vor.

5. Universal Search und Indizierung

Im ursprünglichen Chat wurde synoindexd als typischer Kandidat genannt. Der konkrete Prozessname kann je nach DSM-Version und Dienst variieren, aber die grundsätzliche Ursache bleibt aktuell: Universal Search indiziert Dateien und teilweise Dateiinhalte, damit die Suche funktioniert.

Wenn gerade viele Dateien neu auf das NAS kopiert wurden, kann diese Indizierung längere Zeit laufen. In Universal Search lässt sich der Status der Indizierungsaufgaben kontrollieren.

6. Synology Photos und Vorschaubilder

Nach dem Import vieler Fotos oder Videos können Medienpakete im Hintergrund Vorschaubilder und Metadaten erzeugen. Gerade auf älteren oder schwächeren NAS-Modellen kann sich das deutlich bemerkbar machen.

Ein typisches Muster ist: hohe Datenträgeraktivität, zeitweise CPU-Last und ein langsameres DSM, obwohl keine Fehlermeldung erscheint.

7. Synology Drive als Lastquelle

Im ursprünglichen Gespräch tauchte anschließend cloud-daemon.exe auf. Wichtig ist die Trennung: cloud-daemon.exe läuft auf dem Windows-PC als Teil des Synology Drive Clients, nicht als normaler DSM-Prozess auf dem NAS.

Wenn also der PC langsam ist, prüfst du diesen Prozess im Windows-Task-Manager. Ist dagegen das NAS selbst langsam, untersuchst du Synology Drive Server und die serverseitige Synchronisationslast im DSM-Ressourcen-Monitor.

8. Synchronisierung testweise pausieren

Wenn du vermutest, dass Synology Drive für die Last verantwortlich ist, kannst du die Synchronisierung auf dem Client testweise pausieren. Sinkt die Netz- und Datenträgerlast sofort deutlich, hast du einen starken Hinweis.

Das beweist noch nicht, dass ein Fehler vorliegt. Bei einer Erst-Synchronisierung oder nach sehr vielen Dateiänderungen ist hohe Aktivität normal.

9. Arbeitsspeicher und Swap prüfen

Ein NAS kann auch dann langsam werden, wenn kaum noch freier RAM verfügbar ist und stark ausgelagert wird. Synology weist ausdrücklich darauf hin, dass hohe Swap-Nutzung auf zu wenig Systemspeicher hinweisen und die Leistung beeinträchtigen kann.

Beachte aber: Hohe RAM-Nutzung allein ist nicht automatisch schlecht. DSM nutzt freien Speicher als Cache. Kritischer wird es, wenn gleichzeitig viel Swap in/Swap out stattfindet und das System ständig auf die Festplatte auslagert.

10. Volume-Auslastung richtig lesen

Eine sehr hohe Volume-Auslastung kann wichtiger sein als die CPU-Anzeige. Prüfe im Ressourcen-Monitor:

  • Durchsatz Lesen/Schreiben
  • IOPS
  • Auslastung
  • gegebenenfalls Latenz

Wenn die Volume-Auslastung bei 100 Prozent liegt, aber nur wenig Daten übertragen werden, kann das auf viele kleine I/O-Operationen oder langsame Datenträgerzugriffe hindeuten.

11. Nutzungsverlauf aktivieren

Synology kann historische Leistungsdaten anzeigen, wenn der Nutzungsverlauf aktiviert ist. Das ist sehr hilfreich bei Problemen, die nur gelegentlich auftreten.

Dann kannst du später prüfen:

  • Wann steigt die CPU?
  • Passiert es täglich zur selben Uhrzeit?
  • Läuft zu diesem Zeitpunkt ein Backup?
  • Steigt gleichzeitig die Volume-Last?
  • Ist ein bestimmter Dienst immer beteiligt?

12. Geplante Aufgaben kontrollieren

Wenn die Verlangsamung regelmäßig auftritt, prüfe:

  • Hyper-Backup-Zeitpläne
  • Antivirus-Scans
  • SMART-Tests
  • Datenbereinigung/Data Scrubbing
  • Snapshot-Aufgaben
  • Synology-Drive-Aufgaben
  • individuelle Aufgaben im Aufgabenplaner

Regelmäßige Lastspitzen sind häufig kein „hängender Prozess“, sondern schlicht mehrere gleichzeitig gestartete Hintergrundjobs.

13. SSH nur für die zweite Diagnosestufe

Wenn DSM kaum noch reagiert und du technisch erfahren bist, kann SSH zusätzliche Informationen liefern. Nach Aktivierung von SSH in DSM lässt sich beispielsweise mit top die laufende Prozesslast beobachten.

Das ist aber kein Grund, Prozesse blind zu beenden. Der ursprüngliche Chat schlug sehr schnell kill -9 vor. Das ist als pauschale Empfehlung zu riskant, weil damit auch wichtige DSM- oder Datenbankprozesse hart beendet werden können.

14. Prozesse nicht blind abschießen

Bevor du einen Prozess stoppst, kläre:

  • Zu welchem Paket gehört er?
  • Ist gerade eine Datenbank-, Backup- oder Speicheroperation aktiv?
  • Kann das Paket regulär über Paket-Zentrum oder seine Oberfläche gestoppt werden?
  • Ist die aktuelle Aufgabe möglicherweise kurz vor dem Abschluss?

Ein sauberer Stopp des zugehörigen Dienstes oder Pakets ist fast immer besser als ein hartes Kill-Signal.

15. Alte NAS-Modelle richtig einschätzen

Bei älteren J- oder Einstiegsmodellen können moderne Pakete schon durch normale Aufgaben eine hohe Last erzeugen. Das muss kein Defekt sein. Entscheidend ist, ob die Last nach Abschluss der Aufgabe wieder sinkt und ob Speicher beziehungsweise Datenträger gesund sind.

16. Festplattenzustand mitprüfen

Wenn I/O-Warten ungewöhnlich hoch ist oder das NAS beim Lesen einzelner Daten massiv stockt, solltest du zusätzlich den Speicher-Manager prüfen:

  • SMART-Status
  • Warnungen zum Pool/Volume
  • fehlerhafte Sektoren
  • RAID-/SHR-Reparaturen
  • laufende Datenbereinigung

17. Netzwerk nicht vergessen

Manchmal ist nicht das NAS langsam, sondern der Zugriff. Vergleiche deshalb:

  • DSM selbst langsam?
  • Dateikopien lokal im LAN langsam?
  • nur WLAN langsam?
  • nur QuickConnect/Internet langsam?

Wenn DSM flüssig läuft, aber Dateiübertragungen langsam sind, liegt die Ursache möglicherweise eher im Netzwerk als in einem NAS-Prozess.

18. Meine Diagnose-Reihenfolge

  1. Ressourcen-Monitor öffnen.
  2. CPU in Benutzer/System/I/O-Warten aufteilen.
  3. Aufgaben-Manager nach CPU sortieren.
  4. Volume-Auslastung und Durchsatz prüfen.
  5. RAM und Swap kontrollieren.
  6. Aktive Backups, Indizierung und Synchronisation prüfen.
  7. Nutzungsverlauf einschalten.
  8. Bei wiederkehrenden Problemen Zeitpläne vergleichen.
  9. Erst danach SSH oder tiefere Diagnose verwenden.

Fazit

Der Synology-Ressourcen-Monitor liefert bereits fast alles, was du zur ersten Diagnose eines langsamen NAS brauchst. Wichtig ist, CPU, I/O-Warten, Speicher, Swap und Volume-Auslastung gemeinsam zu betrachten. Häufig ist der „Übeltäter“ eine legitime Hintergrundaufgabe wie Indizierung, Backup oder Synchronisierung. Prozesse sollte man deshalb erst stoppen, wenn klar ist, wozu sie gehören und dass die Aktivität tatsächlich fehlerhaft ist.

Aktuell geprüft

Die Hinweise zum Ressourcen-Monitor, Aufgaben-Manager, I/O-Warten, Swap, Nutzungsverlauf und typischen Volume-Lasten wurden mit der aktuellen Synology-Dokumentation für DSM 7 abgeglichen.