VirtualDJ: Fehlende Erscheinungsjahre von Songs automatisch ergänzen

Fehlende Jahresangaben sind in großen VirtualDJ-Bibliotheken lästig, besonders wenn du Filter für Jahrzehnte, Mottopartys oder bestimmte Zeiträume verwenden möchtest. Im ursprünglichen Gemini-Chat ging es deshalb um die Frage, ob VirtualDJ fehlende Jahre über externe Dienste ergänzen kann. Die Antwort lautet: Ja, aber kontrollierter als zunächst dargestellt.

VirtualDJ kann fehlende Jahresangaben direkt nachschlagen

Die aktuelle VirtualDJ-Dokumentation bestätigt, dass im Tag Editor das Feld Year vorhanden ist und dass bei fehlenden Jahr- beziehungsweise Genre-Angaben eine Funktion zum Fill missing info from Discogs erscheinen kann.

Damit ist die wichtigste Funktion tatsächlich direkt in VirtualDJ vorhanden. Du musst also nicht zwingend erst ein externes Tagging-Programm verwenden.

So öffnest du den Tag Editor

Klicke einen Track mit der rechten Maustaste an und wähle Tag Editor. Dort findest du neben Artist, Title, Album und Genre auch das Feld Year.

Ist das Jahr leer, kann VirtualDJ je nach Datei und vorhandenen Metadaten eine Online-Suche anbieten. Zusätzlich kann im Info-Bereich das leere Jahresfeld anklickbar sein, um Informationen aus Discogs abzurufen.

Was wird eigentlich gespeichert?

Das ist wichtig, weil VirtualDJ zwei Ebenen kennt:

  • Informationen in der VirtualDJ-Datenbank
  • Informationen im Datei-Tag, zum Beispiel ID3 bei MP3

Eine Änderung im Tag Editor kann zunächst in der VirtualDJ-Datenbank landen. Mit Write Tag kannst du unterstützte Informationen zusätzlich in die Datei schreiben. In den Einstellungen gibt es außerdem die Option setTagsAuto, mit der Änderungen automatisch in unterstützte Dateiformate geschrieben werden können.

Warum das wichtig ist

Wenn du deine Musik später in einem anderen Programm verwendest oder die VirtualDJ-Datenbank neu aufbauen musst, ist ein sauber gepflegter Datei-Tag wesentlich robuster als eine Information, die ausschließlich in einer Programmdatenbank steckt.

Für eine langfristig gepflegte Musiksammlung empfehle ich deshalb, wichtige Standardinformationen wie Artist, Title, Album, Genre und Year möglichst auch in die Datei-Tags zu schreiben.

Einzelne Titel oder mehrere gleichzeitig bearbeiten?

VirtualDJ unterstützt Batch Tagging. Du kannst mehrere Dateien markieren, den Tag Editor öffnen und gemeinsame Felder bearbeiten. Das ist sinnvoll, wenn du beispielsweise eine komplette Compilation oder ein Album korrigierst.

Bei automatischem Online-Abgleich solltest du jedoch vorsichtig sein. Ein falscher Treffer kann bei vielen markierten Dateien großen Schaden anrichten.

Das Problem mit dem „richtigen“ Jahr

Gerade bei DJ-Musik gibt es nicht immer nur ein eindeutiges Jahr. Ein Titel kann mehrere sinnvolle Jahresangaben haben:

  • Jahr der Originalveröffentlichung
  • Jahr der Albumveröffentlichung
  • Jahr eines Remixes
  • Jahr einer Reissue
  • Jahr einer bestimmten Compilation

Discogs enthält oft mehrere Releases desselben Titels. Deshalb solltest du festlegen, welche Logik du für deine Bibliothek verwenden willst. Für Partys ist häufig das ursprüngliche Erscheinungsjahr des Songs sinnvoller als das Jahr einer späteren Neuauflage.

Vor dem automatischen Ergänzen: Artist und Title sauber halten

Ein Online-Lookup funktioniert nur dann zuverlässig, wenn Interpret und Titel korrekt sind. Zusätze im falschen Feld können Treffer verschlechtern, etwa:

  • „Official Video“ im Titel
  • Bitrate oder Quelle im Dateinamen
  • Remix-Angabe im Artist-Feld
  • Tracknummer vor dem Interpreten

VirtualDJ kann Artist und Title aus Dateinamen beziehungsweise vorhandenen Tags übernehmen. Vor einem großen Abgleich lohnt sich deshalb eine Stichprobe, ob die Grunddaten stimmen.

Externe Tagger als zweite Möglichkeit

Wenn du sehr viele Dateien auf einmal bearbeiten möchtest, können externe Programme sinnvoll sein. Häufig verwendet werden beispielsweise MusicBrainz Picard oder Mp3tag. Sie können Metadaten aus verschiedenen Quellen beziehen und direkt in die Dateien schreiben.

Der Vorteil: Du kannst Ergebnisse in Ruhe prüfen, bevor VirtualDJ die aktualisierten Tags neu einliest. Der Nachteil: Ein Massenabgleich kann bei Remix-Versionen, DJ-Edits oder seltenen Veröffentlichungen ebenfalls falsche Treffer erzeugen.

Nach externer Änderung VirtualDJ aktualisieren

Wenn du Tags außerhalb von VirtualDJ änderst, muss VirtualDJ diese Informationen wieder einlesen. Die aktuelle Optionsliste dokumentiert getTagsAuto für das automatische Einlesen von Tags bei neu erkannten Dateien.

Bei bereits bekannten Titeln kann es nötig sein, die Tags gezielt neu einzulesen beziehungsweise die Datei im Browser erneut analysieren zu lassen. Vor einem Massenvorgang solltest du das mit einigen Testdateien ausprobieren.

Filter nach Jahrzehnten werden erst mit sauberen Jahren nützlich

Wenn das Feld Year gepflegt ist, kannst du mit Smart- beziehungsweise Filter-Ordnern sehr mächtige Ansichten bauen. Beispiele:

  • 80er
  • 90er Dance
  • 2000er Rock
  • Titel ohne Jahr

Besonders hilfreich ist zunächst ein Filter für alle Titel, bei denen das Jahr fehlt. Dann musst du nicht die gesamte Bibliothek bearbeiten, sondern nur die tatsächlich unvollständigen Datensätze.

Nicht mit Online-Musikkatalogen vermischen

Im längeren Gemini-Chat ging es später auch um iDJPool und Online-Vorschläge, die sich zwischen lokale Titel mischten. Das ist ein anderes Thema und sollte nicht mit der Metadatenpflege verwechselt werden.

Für die Pflege deiner eigenen Sammlung solltest du möglichst nur lokale Dateien markieren und bearbeiten. Online-Kataloge oder Streaming-Vorschläge gehören nicht in einen Massen-Tagging-Lauf.

Backup vor großen Änderungen

Bevor du Tausende Tags änderst, sichere:

  • deine Musikdateien oder mindestens die betroffenen Ordner
  • die VirtualDJ-Datenbank
  • gegebenenfalls Playlists und History

Ein automatischer Metadaten-Abgleich kann sehr hilfreich sein, aber ein falscher Batch ist deutlich unangenehmer als ein paar fehlende Jahreszahlen.

Mein empfohlener Workflow

  1. Filter für Titel ohne Jahr erstellen.
  2. 20 bis 50 Dateien als Test auswählen.
  3. Artist und Title auf Plausibilität prüfen.
  4. fehlende Informationen über Discogs abrufen.
  5. Jahresangaben stichprobenartig kontrollieren.
  6. wenn gewünscht Tags in die Dateien schreiben.
  7. erst danach den nächsten größeren Block bearbeiten.

Fazit

VirtualDJ kann fehlende Jahresangaben tatsächlich direkt über Discogs ergänzen. Die Funktion ist nützlich, sollte bei großen Sammlungen aber nicht blind auf Tausende Titel angewendet werden. Saubere Artist-/Title-Tags, ein klarer Umgang mit Originaljahr versus Reissue und regelmäßige Backups sind entscheidend. Für sehr große Bibliotheken kann ein externer Tagger zusätzlich sinnvoll sein.