Eine Website kann technisch unter mehreren Adressen erreichbar sein – zum Beispiel mit und ohne www. Für Besucher sieht das oft identisch aus, für Suchmaschinen sind es aber zunächst unterschiedliche Hosts. Genau deshalb sollte man sich bewusst für eine Hauptversion entscheiden und alle Signale dort bündeln.
Bei einem aktuellen SEO-Audit ist mir wieder eine typische Konstellation begegnet: In der Google Search Console waren sowohl die www– als auch die Non-WWW-Version sichtbar. Beide Varianten hatten über längere Zeit Impressionen gesammelt. Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum Weiterleitung, Canonical, Sitemap und interne Links zusammenpassen müssen.
WWW und Non-WWW sind technisch unterschiedliche Adressen
Die beiden Varianten
https://www.example.de/
und
https://example.de/
können denselben Inhalt anzeigen, sind technisch aber unterschiedliche URLs. Wenn beide Varianten direkt mit HTTP 200 erreichbar sind, muss Google selbst entscheiden, welche davon als kanonische Version verwendet wird.
Das ist nicht automatisch eine Katastrophe. Google kann Duplicate-URLs zusammenfassen. Trotzdem ist es sauberer, selbst eindeutige Signale zu setzen und nur eine Version dauerhaft zu verwenden.
Was bedeutet das für die Linkkraft?
Verlinken andere Websites teilweise auf die WWW-Version und teilweise auf die Version ohne WWW, entstehen zunächst Signale für unterschiedliche URLs. Eine korrekt eingerichtete permanente Weiterleitung hilft Suchmaschinen dabei, diese Signale auf die gewünschte Ziel-URL zu übertragen.
Google empfiehlt bei dauerhaften URL-Änderungen serverseitige Weiterleitungen und weist darauf hin, dass dabei unter anderem Signale aus Links auf die neue URL übertragen werden können. Solche Weiterleitungen sollte man möglichst langfristig bestehen lassen.
Deshalb sollte man eine alte WWW-Version nicht einfach abschalten. Eine saubere 301-Weiterleitung ist die bessere Lösung. Wie du prüfst, wo die WWW-Weiterleitung in WordPress bzw. beim Hosting tatsächlich gesetzt ist, habe ich hier beschrieben.
Zuerst eine Hauptversion festlegen
Ob man sich für WWW oder Non-WWW entscheidet, ist aus SEO-Sicht weniger wichtig als die Konsequenz. Beide Varianten können funktionieren.
Wenn die Website bisher überwiegend unter https://example.de/ betrieben wird, würde ich diese Version beibehalten und die WWW-Variante dauerhaft darauf umleiten.
Das Ziel lautet dann beispielsweise:
https://www.example.de/→https://example.de/https://www.example.de/kontakt/→https://example.de/kontakt/https://www.example.de/ratgeber/artikel/→https://example.de/ratgeber/artikel/
Wichtig ist der letzte Punkt: Unterseiten sollten auf die entsprechende Unterseite weitergeleitet werden und nicht pauschal auf die Startseite.
Warum die 301-Weiterleitung entscheidend ist
Die Weiterleitung sollte serverseitig als 301 Moved Permanently erfolgen. Damit wird klar signalisiert, dass die alte URL dauerhaft durch die neue ersetzt wurde.
Ideal ist ein einziger Weiterleitungsschritt:
https://www.example.de/seite/ → https://example.de/seite/
Ungünstig wären dagegen unnötige Redirect-Ketten wie:
http://www.example.de/seite/ → https://www.example.de/seite/ → https://example.de/seite/
Je einfacher die Weiterleitungslogik, desto leichter ist sie zu warten und zu kontrollieren.
Auch die alte WWW-Version braucht weiterhin DNS und SSL
Ein Detail wird bei solchen Umstellungen gern übersehen: Damit https://www.example.de/ überhaupt einen Redirect ausliefern kann, muss diese Adresse technisch erreichbar bleiben.
Dazu gehören insbesondere:
- ein funktionierender DNS-Eintrag für
www, - ein gültiges SSL-Zertifikat auch für die WWW-Variante,
- und anschließend die serverseitige 301-Weiterleitung.
Fehlt das SSL-Zertifikat, kann der HTTPS-Aufruf bereits scheitern, bevor die Weiterleitung überhaupt verarbeitet wird.
Was macht der Canonical?
Zusätzlich zur Weiterleitung sollte jede indexierbare Seite einen passenden Canonical enthalten. Bei der Non-WWW-Hauptversion sieht das zum Beispiel so aus:
<link rel="canonical" href="https://example.de/apostille/" />
Der Canonical sagt Suchmaschinen sinngemäß: Diese URL soll als repräsentative Originalversion betrachtet werden.
Bei WordPress übernimmt das häufig ein SEO-Plugin wie Yoast SEO automatisch. Trotzdem lohnt sich ein Blick in den Seitenquelltext, besonders nach Domain- oder Redirect-Änderungen.
Canonical ersetzt keine 301-Weiterleitung
Das ist ein wichtiger Unterschied: Ein Canonical und eine Weiterleitung haben nicht dieselbe Aufgabe.
Der Canonical ist ein starkes Signal für die bevorzugte URL, Google behandelt ihn aber als Hinweis. Eine 301-Weiterleitung sorgt dagegen dafür, dass Besucher und Crawler die alte URL verlassen und tatsächlich auf der neuen URL landen.
Wenn die WWW-Version nicht mehr als eigenständige Variante genutzt werden soll, ist daher die Kombination sinnvoll:
- WWW per 301 auf Non-WWW umleiten.
- Auf der Zielseite einen selbstreferenzierenden Canonical ohne WWW ausgeben.
- Interne Links direkt auf Non-WWW setzen.
- Nur Non-WWW-URLs in der Sitemap verwenden.
Die Sitemap muss zur Hauptversion passen
Ist Non-WWW die gewünschte Hauptversion, sollte auch die XML-Sitemap ausschließlich URLs ohne WWW enthalten.
Zum Beispiel:
https://example.de/sitemap_index.xml
und innerhalb der Sitemap:
https://example.de/seite-a/https://example.de/seite-b/
Alte Sitemaps mit WWW oder HTTP können nach einer sauberen Migration aus der Search Console entfernt werden. Entscheidend ist aber zuerst, dass die neue Sitemap korrekt funktioniert und die gewünschten URLs enthält.
Auch interne Links sollten direkt auf die Hauptversion zeigen
Eine 301-Weiterleitung repariert alte externe Links. Die eigene Website sollte aber möglichst nicht ständig selbst durch diese Weiterleitung laufen.
Menüs, Footer, Buttons und Links innerhalb von Artikeln sollten deshalb direkt auf die endgültige URL zeigen. So vermeidet man unnötige Redirects und hält die interne Linkstruktur eindeutig.
Was passiert mit alten WWW-Daten in der Search Console?
Nach der Umstellung verschwinden historische Daten nicht sofort. In Leistungsberichten können ältere WWW-URLs weiterhin auftauchen, weil die Search Console vergangene Impressionen und Klicks zeigt.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die aktuelle Konfiguration noch falsch ist. Entscheidend ist, wie sich die URLs jetzt verhalten: Liefert die WWW-Version einen 301-Redirect? Zeigt der Canonical auf die Hauptversion? Enthält die Sitemap nur die gewünschten URLs?
Bei einer Search-Console-Domain-Property ist das besonders praktisch, weil HTTP, HTTPS, WWW und Non-WWW gemeinsam erfasst werden.
Typische Fehler bei WWW und Non-WWW
- Beide Varianten liefern dauerhaft HTTP 200.
- WWW wird abgeschaltet, ohne eine Weiterleitung einzurichten.
- Alle alten Unterseiten werden nur auf die Startseite umgeleitet.
- Der Canonical zeigt auf WWW, während die Website auf Non-WWW weiterleitet.
- Die Sitemap enthält weiterhin die alte Host-Version.
- Interne Links verweisen noch auf alte URLs.
- Für die alte HTTPS-WWW-Adresse fehlt ein gültiges SSL-Zertifikat.
- Es entstehen mehrere aufeinanderfolgende Redirects.
Meine Checkliste für eine saubere Umstellung
- Eine Hauptversion wählen: WWW oder Non-WWW.
- DNS für beide Varianten funktionsfähig halten.
- SSL-Zertifikat für beide Varianten bereitstellen.
- Alte Variante per 301 auf die Hauptversion umleiten.
- Unterseiten immer auf die entsprechende Ziel-Unterseite weiterleiten.
- Canonical auf jeder Zielseite kontrollieren.
- Sitemap auf die Hauptversion ausrichten.
- Interne Links auf die endgültigen URLs aktualisieren.
- Search Console beobachten und alte Signale nicht vorschnell als aktuellen Fehler interpretieren.
Fazit
WWW oder Non-WWW ist keine Glaubensfrage. Wichtig ist, dass Google und Besucher dauerhaft nur eine eindeutige Hauptversion verwenden.
Die saubere Kombination besteht aus 301-Weiterleitung, selbstreferenzierendem Canonical, einheitlicher Sitemap und direkten internen Links. So vermeidet man konkurrierende URL-Varianten und hilft Suchmaschinen dabei, vorhandene Signale und externe Links möglichst eindeutig der gewünschten URL zuzuordnen.
Quellen:
Google Search Central: URL-Kanonisierung
Google Search Central: Websiteverschiebungen und Weiterleitungen