Außenjalousien und Raffstores sollten bei starkem Wind rechtzeitig hochfahren. Wer seine Jalousien bereits über Shelly-Relais in Home Assistant eingebunden hat, kann dafür eine eigene Sturmschutz-Automation aufbauen. Besonders praktisch ist das, wenn kein eigener Windsensor vorhanden ist und stattdessen Wetterdaten von Open-Meteo genutzt werden sollen.
Wichtig ist dabei eine realistische Erwartung: Ein Online-Wetterdienst ist kein Ersatz für einen echten Windsensor am Gebäude. Open-Meteo liefert in Home Assistant Wetterdaten und Vorhersagen, aber keine sekundengenaue Messung direkt an der Fassade. Für einen komfortablen zusätzlichen Schutz ist die Lösung trotzdem nützlich. Für sicherheitskritische Außenjalousien sollte der zulässige Windwert immer aus den technischen Unterlagen des Herstellers stammen.
Voraussetzungen
Für die Automatisierung brauchst du im Wesentlichen drei Dinge:
- die Jalousien als
cover-Entitäten in Home Assistant, - die Open-Meteo-Integration,
- eine Automation, die bei einem passenden Windwert die Jalousien öffnet.
Bei Shelly-Rollladen- oder Jalousierelais erscheinen die Geräte in Home Assistant normalerweise als Cover-Entitäten. Die genauen Namen hängen von deiner Installation ab. Deshalb sollte man niemals Beispielnamen wie cover.jalousie_wohnzimmer blind übernehmen, sondern die tatsächlichen Entitäts-IDs unter Einstellungen → Geräte & Dienste → Entitäten beziehungsweise in den Entwicklerwerkzeugen nachsehen.
Open-Meteo in Home Assistant einrichten
Open-Meteo lässt sich direkt über Einstellungen → Geräte & Dienste → Integration hinzufügen einrichten. Die Integration benötigt keinen persönlichen API-Key. Nach der Einrichtung entsteht eine Wetter-Entität für den gewählten Standort.
Ein entscheidender Punkt gegenüber älteren Anleitungen: Man sollte nicht davon ausgehen, dass automatisch ein Sensor mit einem festen Namen wie sensor.open_meteo_wind_gusts_10m vorhanden ist. Welche Werte als Entität oder Attribut verfügbar sind, hängt von der aktuellen Integration und Home-Assistant-Version ab. Deshalb zuerst die tatsächlich vorhandenen Entitäten prüfen.
Windwert richtig auswählen
Für einen Sturmschutz ist die durchschnittliche Windgeschwindigkeit weniger aussagekräftig als eine mögliche Böe. Wenn deine Wetterintegration einen geeigneten Böenwert liefert, ist dieser für den Schutz interessanter. Steht nur die Windgeschwindigkeit der Wetter-Entität zur Verfügung, kann trotzdem damit gearbeitet werden – dann sollte man aber einen ausreichend konservativen Schwellenwert wählen.
Open-Meteo wird von Home Assistant regelmäßig abgefragt, die Daten sind jedoch nicht Echtzeit. Plötzliche lokale Böen können zwischen zwei Aktualisierungen auftreten. Deshalb eignet sich die Lösung eher als zusätzliche Schutzebene als als garantierte Sturmsicherung.
Schwellenwert nicht pauschal festlegen
In einfachen Beispielen werden oft Werte wie 35 oder 45 km/h genannt. Das darf aber nicht als allgemeine Belastungsgrenze verstanden werden. Zulässige Windgeschwindigkeiten hängen unter anderem ab von:
- Jalousie- oder Raffstore-Typ,
- Breite und Höhe der Anlage,
- Lamellenform,
- Führungsschienen oder Seilführung,
- Montageort und Gebäudehöhe,
- Herstellerfreigabe.
Der sinnvolle Auslösewert sollte deshalb aus den technischen Angaben der konkreten Anlage abgeleitet und mit Sicherheitsreserve gewählt werden.
Automation über die Benutzeroberfläche anlegen
Am einfachsten ist die Einrichtung über Einstellungen → Automationen & Szenen. Erstelle eine neue Automation und gehe sinngemäß so vor:
- Als Auslöser einen numerischen Zustandswert wählen.
- Die Entität beziehungsweise den Sensor mit dem Windwert auswählen.
- Einen Grenzwert oberhalb der gewünschten Schwelle definieren.
- Als Aktion die Jalousien öffnen.
- Optional zusätzlich eine Benachrichtigung erzeugen.
Wenn mehrere Jalousien geschützt werden sollen, kannst du alle betreffenden Cover-Entitäten als Ziel derselben Aktion auswählen.
Aktuelle YAML-Struktur
Wer lieber YAML nutzt, sollte beachten, dass aktuelle Home-Assistant-Automationen die Bereiche triggers, conditions und actions verwenden. Ein bewusst generisches Beispiel sieht so aus:
alias: Jalousien Sturmschutz
triggers:
- trigger: numeric_state
entity_id: sensor.DEIN_WINDWERT
above: 35
conditions: []
actions:
- action: cover.open_cover
target:
entity_id:
- cover.JALOUSIE_WOHNZIMMER
- cover.JALOUSIE_KUECHE
mode: single
Die Zahl 35 ist hier ausschließlich ein Beispiel. Sie muss durch den für deine Anlage geeigneten Wert ersetzt werden. Ebenso müssen die Beispiel-Entitäten gegen die tatsächlich vorhandenen Entitäts-IDs ausgetauscht werden.
Warum ein Sturmalarm-Helfer sinnvoll ist
Der wichtigste praktische Punkt aus der ursprünglichen Einrichtung ist nicht das Hochfahren selbst, sondern das Verhalten danach. Viele Installationen besitzen zusätzlich eine Sonnen- oder Temperaturautomation. Ohne Schutzlogik kann Folgendes passieren:
- Die Windautomation fährt die Jalousien hoch.
- Kurze Zeit später erkennt die Sonnenautomation starken Sonnenschein.
- Die Jalousien fahren wieder herunter, obwohl der Wind weiterhin kritisch ist.
Deshalb empfiehlt sich ein Helfer vom Typ input_boolean, beispielsweise mit dem Namen „Sturmalarm“. Sobald der Windwert die Schutzschwelle überschreitet, wird dieser Helfer eingeschaltet. Alle Automationen, die Jalousien herunterfahren, erhalten anschließend die Bedingung: nur ausführen, wenn Sturmalarm ausgeschaltet ist.
Sturmalarm einschalten
Die Schutzautomation kann zusätzlich zur Cover-Aktion den Helfer aktivieren:
actions:
- action: input_boolean.turn_on
target:
entity_id: input_boolean.sturmalarm
- action: cover.open_cover
target:
entity_id:
- cover.JALOUSIE_WOHNZIMMER
- cover.JALOUSIE_KUECHE
Damit erhältst du einen zentralen Zustand, den auch andere Automationen abfragen können.
Entwarnung nicht sofort auslösen
Der Sturmalarm sollte nicht schon beim ersten niedrigeren Messwert wieder aufgehoben werden. Sonst können die Jalousien bei schwankenden Wetterdaten ständig hoch- und herunterfahren. Besser ist eine Hysterese:
- Sturmalarm bei einem höheren Wert einschalten.
- Erst bei deutlich niedrigerem Wert wieder ausschalten.
- Der niedrigere Wert muss zusätzlich eine bestimmte Zeit lang unterschritten sein.
Beispiel: Schutz wird bei einem individuell festgelegten oberen Grenzwert aktiviert. Entwarnung erfolgt erst, wenn der Wind 20 oder 30 Minuten lang unter einem deutlich niedrigeren Wert liegt.
Beispiel für die Entwarnung
alias: Jalousien Sturmschutz Entwarnung
triggers:
- trigger: numeric_state
entity_id: sensor.DEIN_WINDWERT
below: 20
for:
minutes: 20
conditions: []
actions:
- action: input_boolean.turn_off
target:
entity_id: input_boolean.sturmalarm
mode: single
Auch hier sind 20 km/h und 20 Minuten lediglich Beispielwerte. Wichtig ist das Prinzip der getrennten Ein- und Ausschaltschwellen.
Benachrichtigung ergänzen
Gerade während der Testphase ist eine Benachrichtigung hilfreich. So erkennst du, ob die Automation wirklich ausgelöst wurde und ob der gewählte Schwellenwert sinnvoll ist. Das kann eine Home-Assistant-Persistent-Notification oder eine Nachricht an das Smartphone sein.
In der Meldung kann zusätzlich der aktuelle Windwert ausgegeben werden. Damit lässt sich später leichter nachvollziehen, warum der Sturmschutz ausgelöst hat.
Automation zunächst ohne reale Bewegung testen
Bevor alle Jalousien tatsächlich bewegt werden, ist ein Test sinnvoll. Dazu kann man vorübergehend nur eine Benachrichtigung auslösen oder den Grenzwert künstlich niedrig setzen. Anschließend beobachten:
- Wird der Auslöser zuverlässig erkannt?
- Stimmen die Einheiten des Sensors?
- Wird der Sturmalarm gesetzt?
- Blockiert er tatsächlich die Sonnenautomation?
- Funktioniert die Entwarnung?
Erst wenn diese Logik sauber funktioniert, sollte die eigentliche Cover-Aktion dauerhaft aktiviert werden.
Open-Meteo versus echter Windsensor
Open-Meteo ist bequem, weil keine zusätzliche Hardware erforderlich ist. Für eine echte Sturmsicherung besitzt ein lokaler Windsensor jedoch klare Vorteile: Er misst direkt am Gebäude, erkennt lokale Böen und reagiert wesentlich schneller. Wer hochwertige oder windempfindliche Außenraffstores schützen muss, sollte diese Möglichkeit zumindest langfristig berücksichtigen.
Typische Fehler
- Falsche Entitäts-ID: Beispielnamen werden übernommen, obwohl die eigene Installation andere Namen verwendet.
- Falsche Einheit: Der Sensor liefert beispielsweise m/s statt km/h.
- Andere Automation fährt wieder herunter: Es fehlt die Sturmalarm-Sperre.
- Zu kleine Hysterese: Die Anlage pendelt bei wechselnden Werten ständig zwischen auf und zu.
- Online-Wetterdaten werden als Echtzeitmessung betrachtet: Genau das sind sie nicht.
Fazit
Home Assistant und Shelly eignen sich sehr gut, um Jalousien bei starkem Wind automatisch hochzufahren. Open-Meteo kann dafür als Datenquelle dienen, solange klar ist, dass die Werte nicht direkt am Gebäude gemessen und nicht in Echtzeit aktualisiert werden. Entscheidend für eine robuste Lösung sind der passende Herstellerschwellenwert, ein separater Sturmalarm-Helfer, eine Sperre für andere Jalousie-Automationen und eine verzögerte Entwarnung mit Hysterese.